Observationen bewegt sich irgendwo zwischen Theaterperformance, Film und Installation. Die Performance setzt sich mit Selbstdarstellung und Überwachung im digitalen Zeitalter auseinander und lässt die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Wirklichkeit und Fiktion, zwischen Planung und Zufall, zwischen Realität und Virtualität verschwimmen. Das Publikum bewegt sich frei in einer Rauminstallation, in der sich die Spuren verschiedener Menschen der letzten 50 Jahre wiederfinden. Mitten hinein in diesen museal anmutenden Ort, der nach einer eigenen Logik zu funktionieren scheint, werden zwei großformatige Videos projiziert, die auf leicht verfremdete Weise das Geschehen außerhalb des Raums zeigen. Zugleich können die Vorgänge im Raum von außen in einer Videoübertragung beobachtet werden. Die Performer*innen im Raum werden dabei Teil der filmischen Realität, indem sie mit den Projektionen interagieren und sich teilweise in ihnen verdoppeln.

(c) mokinobe/WDR

Das Projekt Observationen beschäftigt sich mit den verschiedenen Aspekten von Selbstdarstellung und Überwachung: Menschen filmen und fotografieren mittlerweile große Teile ihres Alltages, um ihn auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, YouTube oder Facebook einer Öffentlichkeit zu präsentieren. Reale Situationen werden mithilfe von (Handy-)Kameras gerahmt, wodurch sie ästhetisiert werden. Fiktive Situationen werden inszeniert, um besonders realistisch und authentisch zu wirken. Neben dieser freiwilligen audiovisuellen Dokumentation und Veröffentlichung des eigenen Lebens, werden Menschen mit und ohne ihr Wissen überwacht: Kameras an öffentlichen Plätzen und privaten Gebäuden oder technische Systeme, die Gespräche mitzeichnen, sind in der westlichen Welt zur Normalität geworden. Dabei ist es kein künstlerischer oder konsumistischer Ansatz, der das Aussehen der Bilder und ihre Interpretation bestimmt, sondern der Versuch, räumliche und zeitliche Grenzen zu überwinden und dadurch jederzeit und allerorts Transparenz zu erzeugen. Wer nichts zu verbergen hat, hat auch kein Problem damit, überwacht zu werden? Welche Bedeutung hat Privatheit in einer immer gläserner werdenden Welt? Warum lassen sich Menschen freiwillig überwachen? Woher kommt der Drang zur Selbstdarstellung?

7. Dezember 2019, 17:15/18:15 Uhr, Rechenzentrum Potsdam im Rahmen des Performance Festival Potsdam

Mit:
Pablo Bader, Henri Ebert, Kristin Fabig, Sylvain Fustier, Henrike Janssen, Thilo Kühne, Sophie Roeder, Sina Schmidt
Musik: Thilo Kühne, Henri Ebert, Sina Schmidt – Terminator Knödel
Inszenierung: Sina Schmidt

 

 

Mit freundlicher Unterstützung von:

 

 

 

 

Performance Festival Potsdam